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Spielen mit HDR ausprobiert: In den Farbtopf gefallen

josef.13

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Die Fernseher-Hersteller bewerben High Dynamic Range als Revolution. Mehr Details, mehr Farben, mehr Kontraste soll es geben. Wir haben aktuelle Videospiele mit HDR ausprobiert.

Kostspielig ist es, dieses High Dynamic Range (HDR). Neben 4K ist es das primäre Feature, das TV-Hersteller wie Samsung, Panasonic oder LG heute bewerben. Besitzer von Playstation 4, Xbox One S oder einem modernen PC, die ihre Videospiele in HDR zocken möchten, benötigen einen HDR-fähigen Fernseher. Die Preise für ein solches Modell beginnen bei rund 1.000 Euro und reichen bis in Regionen von 8.000 Euro für eine 65-Zoll-große OLED-Variante.

HDR-Displays und Projektoren sind deutlich heller als bisher übliche und liefern bessere Schwarzwerte. HDR ermöglicht eine realistischere Darstellung von Lichtquellen und Farben (dank der Nutzung des neuen Farbraums REC2020). Das bedeutet, dass gute HDR-Displays auf einen Farbraum von 10-Bit (1.024 Stufen pro Farbkanal) zugreifen können statt der bisher üblichen 8-Bit (256 Stufen pro Farbkanal).

Doch nicht nur die Hardware muss stimmen, auch die Spiele müssen HDR unterstützen. Aktuell können das noch nicht viele - weniger als ein Dutzend. Wir haben uns auf der Xbox One Gears of War 4 und Forza Horizon 3 sowie auf der Playstation 4 Uncharted 4, Ratchet & Clank, The Last of Us Remastered und Infamous Second Son angesehen.

Im Folgenden wollen wir anhand dieser Titel erklären, wie groß der Unterschied zwischen Standard Dynamic Range (SDR) und HDR in der Praxis ist und in welchen Szenen die neue Technologie glänzen kann. Ein paar Dinge haben uns sogar geärgert.

Die technischen Vorreiter
Fangen wir mit den Klassenbesten an. Ratchet & Clank auf der Playstation 4 und Gears of War 4 auf der Xbox One nutzen HDR vorbildlich. Sobald HDR auf der Konsole, dem Fernseher und dem Spiel aktiviert ist, wirken die Farben intensiver und der erhöhte Kontrast zwischen hellen und dunklen Bereichen sorgt für ein plastischeres Gesamtbild. Die Figuren heben sich dadurch etwas stärker von der Spielwelt ab. Die Bildwirkung ist überzeugender dreidimensional.

(1:04)

Die intensiven Farben werden aber nicht erschummelt. Im Direktvergleich mit einem 4K-SDR-Bildschirm wirkt das HDR-Bild nicht so, als hätte man die Farbsättigung am Fernseher voll aufgedreht. Bei Ratchet & Clank ist sogar das Gegenteil der Fall. Das HDR-Bild sieht im Vergleich zu SDR natürlicher und ausgewogener aus. Das graue Metall der Gebäude oder auch Ratchets rotbraunes Fell wirken in SDR plötzlich sichtbar überzeichnet. Es ist auch nicht möglich, den stärkeren Farbton des HDR-Bilds in einer Weise durch Kalibrierung und Optimierung der Optionen am SDR-Bildschirm nachzustellen. Das leuchtende Grün der Schleim-Monster zum Beispiel kann unser SDR-TV einfach nicht anzeigen.

Um den HDR-Effekt am schnellsten sichtbar zu machen, lohnt sich immer der direkte Blick in die Sonne oder an einen blauen Himmel mit ein paar Wolken. Beide Spiele zeichnen mehr Details am Horizont, die Sonne selbst ist heller und kann auf HDR-Bildschirmen mit LCD-Technik und einer hohen Leuchtkraft sogar blenden.

Gears of War 4 bietet in den Optionen als einziger Titel im Aufgebot einen Splitscreen-Modus an, bei dem links das Bild mit HDR und rechts mit SDR angezeigt wird. Das Ergebnis täuscht etwas, da das SDR Bild im Splitscreen deutlich matter angezeigt wird, als wenn wir tatsächlich HDR komplett abschalten. Dennoch zeigt dieser Splitscreen-Modus effektiv, wo mit HDR mehr Grafikdetails sichtbar werden können.

Reflexionen der Sonne an Rüstungen oder auch auf den fleischig-glänzenden Körpern der Monster werden in SDR oft als große einheitlich weiße Flecke dargestellt. In HDR werden Reflexionen in mehr Nuancen gezeichnet. Das Innere der Spiegelung ist immer noch komplett weiß. Der Übergang zum weniger stark belichteten Teil offenbart aber zuvor nicht sichtbare Details, beispielsweise Kratzer im Lack der Rüstung oder Narben auf dem Körper der Monster.

Lobenswert: Gears of War 4 bietet die unabhängige Einstellung von Schwarz- und Weißwert in den Optionen. Abhängig vom TV-Modell mussten wir unterschiedliche Maximalwerte kalibrieren, um jeweils den größtmöglichen Dynamikumfang zu bestimmen. Auf diese Weise lässt es sich auch vermeiden, von Lichtquellen "geblendet" zu werden. Die Konfigurationsregler wünschen wir uns künftig in allen Titeln.

Die Kehrseite der HDR-Medaille
The Last of Us Remastered und Uncharted 4 von Naughty Dog nutzen HDR weniger auffällig. In einigen typischen Szenen würde es ohne den Direktvergleich mit einem SDR-Bildschirm kaum auffallen, so dass wir uns sogar manchmal gefragt haben: Ist HDR schon an? Insgesamt wirkt das Bild mit HDR deutlich heller, wodurch mehr Details sichtbar werden. Allerdings beeinflusst das auch die Atmosphäre der Titel. Dunkle Passagen in den Katakomben oder bei Nacht in The Last of Us Remastered wirken weniger bedrückend, da Spieler in HDR mehr im Dunklen sehen.

Der Blick in den Himmel zeigt den gleichen positiven Effekt wie in Gears of War 4 oder Ratchet & Clank. Ausflüge ins Grüne offenbaren ein saftigeres Grün der Gräser. Lens-Flare-Effekte blenden etwas weniger stark.

Deutlich mehr erhofft haben wir uns von Infamous Second Son und seinem Addon First Light auf der Playstation 4. Die Neon-farbene Optik bietet aber nur wenig beeindruckende noch hellere Spezialeffekte. Die Scheinwerfer der Polizei oder die Straßenlaternen von Seattle leuchten deutlich heller als in SDR. Um mehr Details in dunklen Szenen zu entdecken, müssen wir aber schon ganz genau hingucken und nah an den Fernseher herangehen.

Infamous Second Son hebt nämlich nicht wie Uncharted oder The Last of Us Remastered die allgemeine Helligkeit von dunklen Szenen an. So fällt der HDR-Effekt weniger schnell auf, aber das Spiel bleibt dem Look des Originals treu. Es setzt HDR eben nur ein, wo es Sinn ergibt.

Künstlicher Himmel und falsche Farben
Realistischere Himmel soll es durch HDR auch in Microsofts Rennspiel Forza Horizon 3 geben. Wir haben sie nicht entdeckt. Stattdessen greifen die Entwickler in den Farbtopf und fangen an, orange-rote Farben in den Wolken zu verteilen, wo sie vorher (in SDR) nicht einmal im Ansatz zu erahnen waren. Im direkten Vergleich sehen die HDR-Himmel zwar abhängig vom persönlichen Geschmack beeindruckender aus, aber weitaus weniger realistisch als im SDR-Bild.

(1:36)

Das Gleiche gilt für die Funken bei Kollisionen mit anderen Autos oder den Leitplanken. Das realistische weiß-gelbe Funkensprühen von SDR wird in HDR mit einem tief orangenen Farbton überdeckt, der natürlich stark auffällt, aber eben nicht realistisch wirkt.

Berge am Horizont bekommen abhängig von der Tageszeit in HDR eine sichtbare weiße Randlinie, wie bei einer schlechten Trennung von Himmel und Landschaft in einem Bild bei der Fotobearbeitung.

Sofern die skalierbare Grafik-Engine von Forza Horizon 3 die Auflösung heruntersetzt, um die Bildrate bei 30 Bildern pro Sekunde stabil zu halten,, tritt ein deutlicherer Nachzieheffekt bei dichten Gräsern oder den Zweigen von Bäumen auf.

Eingabeverzögerung und Fazit

Der Fortschritt bei der Bildqualität geht abhängig vom TV-Modell einher mit einer erhöhten Eingabeverzögerung. Das ist ärgerlich, auch wenn es stets spielbar bleibt. Bei unseren TV-Modellen von LG und Samsung hielten sich die erhöhten Werte mit maximal einem Bild pro Sekunde (Test durch Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeit) in Grenzen. Je nach TV-Modell kann der Unterschied aber größer und störender ausfallen. Die Webseite hat dem Thema eine eigene Übersicht gewidmet und noch genauere Messungen durchgeführt.

Fazit
Spielen mit HDR ist heute möglich und an sich eine willkommene Sache. Niemand wird auf die Frage: "Na, welches Bild ist schöner?" im Direktvergleich zwischen SDR und HDR auf das SDR-Bild setzen. Es sei denn, es wird ein überaus schlampig angepasstes Spiel wie Forza Horizon 3 gespielt. Microsofts Rennspiel gefällt uns in SDR deutlich besser. Der Look ist realistisch und der HDR-Effekt künstlich überbearbeitet.

Bei allen anderen Titeln stellt sich eigentlich nur die Frage, inwiefern das HDR-Bild die ursprüngliche Idee der Designer für eine Szene einfängt. The Last of Us Remastered und Uncharted 4 bieten beide sichtbar mehr Helligkeit in Szenen, die in SDR gänzlich düster waren. Das ändert die Stimmung der Szenen durchaus merklich. Das zeigt, dass Entwickler vor einer schwierigen Entscheidung stehen, wenn sie eine HDR-Version für ihr Spiel veröffentlichen wollen: Stellen wir HDR zur Schau, oder bleiben wir dem ursprünglichen Look treu?

Die Unterschiede zwischen HDR und SDR können bildgewaltig und direkt offensichtlich sein, meistens sind es aber nur Nuancen. Die Nuancen liefern am Ende immer noch ein unbestreitbar schöneres Bild, nur dürfte es den wenigsten Spielern wirklich auffallen, geschweige denn fehlen, sofern sie sich dafür entscheiden, weiter in SDR zu spielen. Vielleicht hilft dem einen oder anderen Spieler folgende Analogie: der Wechsel von SDR auf HDR entspricht derzeit noch eher dem Fortschritt von 120 auf 144 Hz als von 60 auf 120 Hz bei den Spielermonitoren.

Quelle: golem
 
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