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TV SPORT "Eine 'Sportschau' am späteren Abend wäre eindeutig besser"

Auch aus der kommenden Bundesliga-Rechteausschreibung will Sky als Sieger herausgehen. Am liebsten mit einem Szenario, das Veränderungen für die "Sportschau" bedeutet. Wie Sportvorstand Charly Classen das begründet und wie er Sky Sport strategisch aufstellen will...

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Sie haben Ende 2020 bei Sky Deutschland begonnen. Was haben Sie bei Sky Sport vorgefunden?

Ein Team, das seit vielen Jahren einen fantastischen Job macht. Sky Sport war damals auf einem extrem guten Level und ist es auch heute. Ich kam zu einer Phase, in der sich die Rechtesituation geändert hatte. Wir wussten Ende 2020, dass wir die Champions League ab Herbst 2021 nicht mehr haben werden, dafür aber die Formel 1 exklusiv. Bei der Bundesliga stand eine Änderung in der Konstellation an. All dies haben wir rückblickend betrachtet hervorragend gemeistert und unser Angebot auf einem Top-Level halten können. Heute kann ich sagen: Ich bin sehr froh, dass wir viel erreicht haben.

Es ist doch vollkommen verrückt, dass die DFL zwei ihrer wichtigsten Produkte parallel laufen lässt.

Sie sprechen es an. Kurz bevor Sie kamen, hatte Sky Deutschland die Bundesliga-Rechte verlängert. Die nächste Vergabe steht nun 2024 an. "Sportschau"-Chef Karl Valks hat kürzlich gesagt, dass die Ausschreibungsmodelle nicht gerade "Sportschau"-freundlich seien. Sind sie denn Sky-freundlich?

Wie die Paketierung der kommenden Ausschreibung aussehen wird, liegt in der Hand der DFL. Wenn Sie aber die "Sportschau" ansprechen: Das jetzige Modell ist für den deutschen Fußballfan ausgesprochen unfreundlich. Das Topspiel der Woche und die "Sportschau" werden zeitgleich ausgestrahlt. Es ist doch vollkommen verrückt, dass die DFL zwei ihrer wichtigsten Produkte parallel laufen lässt. Aus unserer Perspektive macht das sehr wenig Sinn.

Wünschen Sie sich da das britische Modell, mit einer "Sportschau" am späteren Abend?

Absolut, eine "Sportschau" am späteren Abend wäre eindeutig besser. Und aus unserer Perspektive sollte das Pay-TV auch vorrangig behandelt werden. Denn die Pay-TV-Partner finanzieren über 80 Prozent der Rechnung.

Was wollen Sie bei der nächsten Rechtevergabe erreichen?

Wir sind aktuell der größte Partner der DFL und wollen das auch bleiben. Ich werde keine Details nennen, auf welchen Konstellationen unser Fokus liegt. In einer Ausschreibung geht es letztlich auch darum: Was ist man selbst bereit zu tun und was tun andere? Entsprechend gibt es viele Konstellationen, die sich während des Bieterprozesses ergeben können. Und wir werden uns in Anbetracht dessen so flexibel wie möglich aufstellen. Das Ziel muss klar sein: Sky will auch danach die klare Nummer eins im deutschen Sport sein. Und um das zu erreichen, sind Bundesliga und 2. Bundesliga überaus wertvoll.

Wie kann Ihnen hier die Sky Group helfen?

Auf vielen Ebenen. Wir sprechen hier von massiven Investitionen, da ist es hilfreich, einen riesigen Konzern hinter sich zu wissen. Ein Konzern, der vor allem aber auch umfangreiche Expertise hat, wenn es um die Bewertung von Sportrechten geht. Wir können also davon profitieren, dass unser Konzern die Erfahrungswerte von vielen unterschiedlichen Märkten einbringen kann. Wir sprechen aber auch darüber, wie man mit Verbänden arbeiten kann, um Produkte weiter zu entwickeln, zu verbessern. So schauen wir uns beispielsweise an, wie Sky in England mit dem Cricket-Verband gearbeitet hat, um neue Formate zu entwickeln und auch innovative Marketing-Konzepte an den Start zu bringen.

Wenn Sie den finanziellen Background von Sky UK und Comcast ansprechen: Beide Unternehmen sind also gewillt, Sky beim Erwerb der Bundesliga-Rechte zu unterstützen?

Am Ende muss jede Akquise strategisch und wirtschaftlich Sinn ergeben. Wir sind zuversichtlich, einen Weg zu finden, dass das so sein wird. Andernfalls würden wir der Gruppe eine Investition auch nicht empfehlen.

Ist es für Sky wichtig, der Nummer-1-Sportanbieter in Deutschland zu sein? Als Nummer zwei lässt es sich ja theoretisch auch gut leben.

Ich bin nicht der Typ, ständig betonen zu wollen, dass wir die Größten sind. Ich möchte Fakten sprechen lassen. Direktes Kundenfeedback und Marktforschung sagen uns, dass wir als Nummer eins im deutschen Pay-TV-Sportfernsehen wahrgenommen werden – sogar mit weitem Abstand. Wir investieren mehr in Sport als alle anderen im deutschen Fernsehen, wir haben mehr Pay-TV-Kunden als andere, wir haben höhere Reichweiten als andere. Daher wollen wir die Nummer eins bleiben, gleichzeitig aber auch frischer und unterhaltsamer werden.

Lassen Sie uns weggehen vom Fußball: Wie fällt Ihr Fazit in Bezug auf US-Eishockey und Leichtathletik aus: Günstige Rechte, die aber für Volumen und Breite sorgen?

Sky benötigt natürlich Premium-Rechte, also Bundesliga und Formel 1. Aber wir sind zuletzt auch gezielt und mit Erfolg in die Breite gegangen. NHL und Diamond League sind äußerst hochwertige Rechte, wenngleich sie natürlich eher nicht für das breite Publikum sind. Deutschland ist deutlich mehr auf Fußball fokussiert als die meisten anderen europäischen Märkte.

Was wäre dann also der Wert, der für uns geschaffen würde?

Was war eigentlich ein größerer Fehler: Die Frauen-Bundesliga nicht live zu holen oder bei der NFL-Ausschreibung leer auszugehen?


Beides sehen wir nicht als Fehler. Beides sind tolle Rechte, die wir gerne gehabt hätten. Aber es muss sich auszahlen. In beiden Fällen erleben wir nun eine unglaublich starke Free-to-Air-Präsenz. Bei der Frauen-Bundesliga werden eigentlich alle Topspiele im Free-TV laufen. Bei der NFL sprechen wir von teils drei Spielen pro Woche, die RTL zeigen darf – darunter sind auch die kompletten Play-Offs. Daneben gibt es weiterhin auch den NFL Game Pass. Was wäre dann also der Wert, der für uns geschaffen würde?

Nun, die NFL wächst überdurchschnittlich schnell bei jungen Zielgruppen und die sind auch für Sky von Interesse, weil es die nächste Kunden-Generation sein könnte.

Daher auch meine Einschätzung, dass es ein interessantes Recht ist, zudem sehr gut inszeniert. Aber in der bestehenden Konstellation und zu den aufgerufenen Preisen macht es für uns keinen Sinn – dennoch werden wir die NFL bei Sky Sport News entsprechend begleiten.

Sie haben einen Ausbau des Frauensports angekündigt. Wie sehen die Pläne aus?

Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser Angebot an Live-Frauen-Sport zeitnah deutlich ausbauen. Konkretes werden wir dann entsprechend kommunizieren.

Sie haben neulich mal gesagt, Sie wären gerne mit fünf Kommentatorinnen in die Bundesliga-Saison gestartet. Ärgert es Sie eigentlich, dass Christina Graf inzwischen für die ARD arbeitet und Christina Rann nun unter anderem für Sport1 kommentiert?

Es freut mich, dass die Kolleginnen so erfolgreich sind. Abgesehen davon, dass diese Entscheidungen weit vor meiner Zeit getroffen wurden, ärgere ich mich in der Tat also nicht. Trotzdem stecken wir aktuell viel Arbeit in das Procedere, die nächste Generation an Kommentatorinnen zu finden. Wir wissen, dass das besonders im Fußball schwierig ist und dass es da von vielen Seiten Gegenwind geben kann – bis hin zu Hasstiraden. In anderen Sportarten ist man da doch deutlich aufgeschlossener. Wir sind vorsichtig Kolleginnen nicht zu früh ins vielzitierte kalte Wasser zu schubsen.

Was war Ihr bisher größter Erfolg bei Sky?

Drei Punkte fallen mir da ein: Reichweiten, Innovation, Force-for-Good.

Fangen wir bei den Quoten an.

Wenn wir einige Free-to-Air-Events etwa während der Pandemie außen vor lassen, dann ist der letzte „Klassiker“ zwischen Bayern und Dortmund das meistgesehene Einzelspiel, das Sky je im Programm hatte. Die Konferenz am letzten Spieltag 22/23 hatte die beste Reichweite, die Sky je hatte. Wir haben Themensender zu Golf, Tennis und Premier League im Sommer 2022 gestartet. Alle drei Sender haben im ersten Jahr Rekordwerte verbucht. Und die Bundesliga hat aktuell den besten Start im laufenden Rechtezyklus hingelegt. Bei Sky Sport News war der "Deadline Day" am 1. September riesig, auch hier wir haben in der entsprechenden Woche die besten Quoten seit über fünf Jahren verbucht.

Bei Innovationen wollen Sie nun vermutlich über "Sky Next Generation" sprechen, Ihr Projekt, in dem Kinder Sport kommentieren und moderieren.

Ich finde es großartig, was unser Team da vorantreibt. Und mit meiner Einschätzung bin ich weiß Gott nicht allein: Das Feedback war von verschiedensten Seiten durchweg positiv. Wir werden auf jeden Fall damit weitermachen. Aber mit „Sky Next Gen“ sind unsere Innovationen noch lange nicht erschöpft: Bei unseren Liveübertragungen der Junioren-Fußballspiele haben wie eine neue Farbe in den Kommentar bekommen – mit Fokus auf jüngere Zielgruppen. Das Hamburger Derby lief damals auch bei YouTube, ebenso wie zwei Formel 1-Rennen. Wir sind unter anderem bei TikTok aktiv. Zudem bieten wir Sportevents in UHD und Dolby Atmos an. Sie sehen, hier passiert eine Menge.

Die "Force-for-Good"-Themen liegen Ihnen besonders am Herzen. Inwiefern zahlen sie aber auch auf die Marke Sky ein?

Ich bin überzeugt, dass es Sky Sport gut tut, sich für die Gesellschaft einzusetzen. Im Rahmen der Special Olympics haben wir tolle und hochwertige Geschichten erzählen können. Die Special Olympics haben die Wahrnehmung über Menschen mit geistiger Behinderung verändert. Sky hat fünf Stunden täglich live berichtet. Ich wünschte, die Medien insgesamt hätten es noch mehr aufgegriffen. Da wurde ein bisschen liegen gelassen. Beim Thema Nachhaltigkeit, machen wir an jedem Bundesliga-Wochenende Beiträge rund um dieses wichtige Thema. Was mich freut: Wir sehen, dass das einen Unterschied macht. Über 50% unserer Zuschauer der Bundesliga kennen inzwischen SkyZero, unsere Initiative zur Reduktion des CO2-Ausstoßes. Und die, die es kennen, sind bereit, ihr Verhalten stark zu verändern, um nachhaltiger zu leben. Bei denen, die SkyZero nicht kennen, sind es nur 18 Prozent. Außerdem, wir sehen dass die, die SkyZero kennen, länger unser Kunden bleiben. Sie sind der Marke Sky gegenüber freundlicher gestimmt.

Wir müssen es schaffen, den Sportfan näher an seine Idole zu bringen.

A pro pos Innovation: Sie wünschen sich mehr Offenheit der Bundesliga, bessere Zugänge und haben "Kameras im Mannschaftsbus" beispielhaft genannt. Ich erlebe indes eine Debatte rund um "All Or Nothing", bei der selbst Lothar Matthäus sagt, dass es nicht ideal sei, sich während der WM von einem Kamerateam begleiten zu lassen.


Wir wollen doch meinungsfreudige Experten – aber selbstverständlich gibt es auch andere Standpunkte. Die Diskussion um besseren Zugang ist ein wichtiges, nicht nur deutsches Thema, sondern hat europäische Relevanz. Die Formel 1 ist da durchaus ein Vorbild. Wir müssen es schaffen, den Sportfan näher an seine Idole zu bringen. Das Thema wird oft zu sehr fokussiert auf die Frage, ob wir Bilder aus der Kabine haben können. Es bringt niemandem etwas, wenn wir filmen können, wie benutzte Duschen aussehen, wenn die Mannschaft abgereist ist. Wir wollen positive und negative Emotionen sehen. Dabei wollen wir aber doch niemanden bloßstellen – und auch das Argument, dass da Wettbewerbsvor- und nachteile entstehen können, greift aus meiner Sicht nicht. Im Handball ist es seit Jahren möglich, den Trainer bei Auszeiten zu hören. Das ist im Fußball noch undenkbar.

Warum eigentlich?

Es scheint, als hätte es sich so eingespielt. Und natürlich ist es bequemer, wenn sich alle rein auf das Spiel konzentrieren können. Aber wenn Fußball sich entwickeln will und vor allem in sehr jungen Zielgruppen ankommen möchte, muss man sich da öffnen. Und das nicht nur direkt um die jeweiligen Spiele, sondern im Grunde täglich. Das passiert auch über Formate wie "Meine Geschichte", von dem wir gerade die 100. Folge mit Lothar Matthäus umsetzen. Das ist ein tolles Format, in dem wir Sportlerinnen und Sportler in ihrem Umfeld zeigen und in dem es eben nicht um den letzten Fehlpass geht.

Ist das eine der Aufgaben, die Ihr neuer Sportchef Alex Rösner umsetzen soll?

Unter anderem.

Soll er Sky Sport denn wesentlich verändern?

Mit dem, was wir auf die Beine stellen, bin ich wirklich extrem zufrieden. Bei meinem Dienstantritt vor knapp drei Jahren hatte ich auch nicht das Gefühl, Wesentliches verändern zu müssen – mit einer Ausnahme. Wir haben Non-Live im Sport massiv ausgebaut und generieren darüber inzwischen immerhin 25 % der Reichweite, ein fantastischer Wert! Alex Rösner wird unser Team nun super ergänzen und uns weiterentwickeln. Wir möchten besser werden in der Ansprache junger Zielgruppen. Wir wollen digitale Berichterstattung und Sky Sport News weiter zusammenführen. Wir entwickeln uns in den Bereichen sehr gut, es könnte mitunter aber einheitlicher passieren. Alex hat mit "ranNFL" eine super Community aufgebaut. Ich bin kein Fan davon, etwas 1:1 zu übersetzen, aber ich sehe gerade hier auch Chancen für Sky, sich zu entwickeln.

Lassen Sie uns noch über Sky Sport News sprechen. Dort haben Sie im Sommer montags bis freitags alleine 15 Stunden Live-Programm am Vormittag gestrichen – auf eine ähnliche Zahl kommen wir samstags und sonntags an Bundesliga-Wochenenden. Mussten Sie Geld sparen?

Viel wichtiger ist für uns etwas anderes: Wir fokussieren uns auf die Zeiten, die wirklich zählen. Wir investieren in die Primetime, also die Zeit zwischen 18 und 20 Uhr. Wenn man nach ein paar Wochen schon ein Fazit ziehen kann: Die Zahlen geben uns Recht. Der Sender wird häufiger genutzt. Wir haben nun "Guten Morgen Fans" am Samstag- und Sonntagmorgen gestartet und damit unser Programm um eine andere Farbe erweitert.

Aber es kann Ihnen doch nicht gefallen, wenn an einem Tag wie dem Tag des Wechsels von Harry Kane Sky Sport News vormittags nur Doku-Wiederholungen zeigen kann.

Manchmal sind im Leben Kompromisse nötig. Wenn wir uns aber eine normale Sportwoche vor Augen halten, dann sind die Reichweiten, die wir vormittags generieren, doch sehr überschaubar. Der Wandel der Mediennutzung hat dazu geführt, dass die Fans sich am Handy informieren. Wir sagen: Informiert euch im bei Sky im Web und über die Sky Sport App, ab zwölf Uhr liefern wir dann die Einordnung onair.

Die zahlreichen Abgänge bei Sky Sport News können Ihnen nicht gefallen haben. Wie groß war der Umbruch?

Ich halte es für eine normale Entwicklung. Unser Transfer-Journalist Florian Plettenberg ist aktuell in aller Munde. Er kam auch zu uns, weil wir Reporter ersetzt haben. Damals hatten einige gesagt, dass es ohne sie nicht weitergehen kann bei Sky Sport News, doch wir haben längst bewiesen, es geht weiter. Aber lassen Sie uns nicht so sehr über Einzelpersonen sprechen, wo doch ein ganzes Team hinter Sky Sport und Sky Sport News steht.

Würden Sie zum Abschluss noch konkretisieren, was Sie meinen, wenn Sie sagen, dass Sie mit Sky Sport News viel vorhaben?

Einiges haben wir bereits umgesetzt. "Guten Morgen Fans" etwa tut uns sehr gut, weil wir nun einen anderen Stil am Wochenende haben. Durch andere Grafiken, durch eine besonders entspannte Atmosphäre. Wir sind bunter, leichter geworden. Auf die Erfolge von "Transfer Update" können wir aufbauen. Da hatten wir jüngst 68 Millionen Video-Kontakte, das entspricht circa einer Versiebenfachung der Zahlen in nur zwölf Monaten. Dieses Zusammenspiel zwischen Social Media, Web, App und den linearen Sendern, das wollen wir stärker verbinden. Ihre Fragen zu Sky Sport News waren ja kritisch, mir gefällt die Entwicklung des Senders aber sehr gut. Ich sehe auch in Deutschland keinen anderen Anbieter, der Sport so verbreiten kann wie wir: Als Sender über die Set-Top-Box oder Wow, in Web und App, als Podcast, in Social Media. Das ist eine echte Wucht.

Danke für das Gespräch.

Quelle; dwdl
 
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