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TV SPORT Wie Sportdigital in der Fußball-Nische überleben will

josef.13

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Der Sportrechte-Markt ist umkämpfter geworden, seit der Pay-TV-Sender Sportdigital vor über einem Jahrzehnt an den Start gegangen ist. Geschäftsführer Gisbert Wundram spricht von einer "täglichen Herausforderung". Wo er seine Nische sieht...

Steckbrief

Sendestart: 19. Januar 2007 - zunächst als Streaming-Angebot
Geschäftsführer: Gisbert Wundram, Bendix Eisermann
Verantwortlich für das Programm: Gisbert Wundram
Chefredakteur: Uli Pingel
Eigentümer: 100 % Sportainment Medien GmbH & Co. KG (Alleingesellschafter Gisbert Wundram und Bendix Eisermann)
Kernzielgruppe: Männer 20-29 Jahre

Werdegang & Profil

Gisbert Wundram hat sich keinen einfachen Job ausgesucht. Seit mehr als einem Jahrzehnt betreibt er einen Pay-TV-Sender, der sich auf den Sportbereich fokussiert hat – und wer das Geschäft auch nur ein wenig kennt, der weiß, wie wenig planbar es ist. Sportdigital, so der Name des Kanals, hat sich daher seit dem Start mehrfach neu erfinden müssen. "Der Markt hat sich in den letzten elf Jahren deutlich verändert", sagt Wundram im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de. Zusammen mit dem damaligen Partner Sportfive habe man in der Anfangszeit aus Sportrechten sogenannte Premium-Rechte machen wollen. "Erstaunlicherweise waren Sportarten wie Handball oder Basketball im klassischen Fernsehen damals unterrepräsentiert. Darin haben wir eine Nische gesehen."

Der Plan war simpel: Durch die Partnerschaft mit der großen Sportrechteagentur sollte die Expertise aus der Fußballvermarktung auf andere Rechte übertragen werden. "Dem voran stand die Produktion der bewegten Spielbilder. Daher lag die Idee auf der Hand, einen Sender zu gründen, der diese Sportarten medial covert", erinnert sich Wundram. Sportfive sollte diese Rechte dann zusätzlich zu Geld machen. Mit der Handball-Bundesliga ist das dann auch gut gelungen, die Rechte wurden in zahlreiche Länder verkauft. Bei anderen Sportarten gestaltete sich das Vorhaben schon komplexer, weil diese bis dato noch gar nicht medientauglich waren. "Beim Volleyball beispielsweise wusste man anfangs noch nicht mal, wo die Kamerastative aufgestellt werden sollte", sagt der Sportdigital-Chef heute.

Über zweieinhalb Jahre hielt das Konzept, dann wurde Sportfive an die französische Unternehmensgruppe Lagardère verkauft, die andere Pläne hatte, als einen Nischensender zu betreiben. Und so musste Sportdigital notgedrungen neue Wege gehen – weg von der Eigenproduktion, hin zum Lizenzrechtesender, der fertig produzierte Sendesignale einkaufte. Die neue Nische sollte der internationale Fußball sein, "eine einfache und klare Zielgruppen-Ansprache mit einem extrem hohen Live-Anteil", so Wundram. Tatsächlich ist Sportdigital diesem Konzept bis heute treu geblieben, doch leichter ist das Geschäft nicht geworden, schließlich drängten in den vergangenen Jahren neue, oft finanzkräftigere Wettbewerber auf den Markt, allen voran der Sportstreamingdienst DAZN, hinter dem ein russischer Milliardär steht.

"Fußball legt an Beliebtheit weiter zu, obwohl viele sagen, der Zenit sei längst überschritten."
Gisbert Wundram

"Es ist nicht einfach, weil fast jede Nische besetzt ist", betont Gisberg Wundram gegenüber DWDL.de. "Der Bereich, den wir damals besetzt haben, wird inzwischen beispielsweise von Sportdeutschland.TV sehr weitflächig abgedeckt." Daneben gibt es Angebote wie Soccerwatch oder Sporttotal, die in den Amateurbereich des Fußballs hineingehen. Und nun eben DAZN, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, weil Sportdigital ursprünglich selbst als Streaming-Angebot im Netz gestartet ist. Besonders bitter: Mit dem Markteintritt von DAZN stiegen die Preise für Sportrechte weiter an. "Für uns schien es daher nicht so einfach, unsere Marktposition auszubauen", erklärt Wundram. Dass Sportdigital dennoch bis heute überlebt hat, führt er auf Kooperationen mit allen Marktteilnehmern zurück. "Auf diese Weise gelingt es uns, den Zugang zu wichtigen Sportrechten nicht zu verlieren und den Zuschauern weiter attraktive Inhalte anbieten zu können."

Eine tägliche Herausforderung

Attraktiv – das sind aus Sicht von Sportdigital südamerikanische Wettbewerbe oder die Fußball-Ligen in Portugal, den Niederlanden oder Polen. Wundram schätzt vor allem die zweite englische Liga, "weil sie kampfbetont ist, viele Traditionsteams mitspielen und die Anstoßzeiten gut sind". Wer Sportdigital abonniert hat, muss also schon ein echter Fußball-Liebhaber sein. Dass sich der Markt vorwiegend auf Bundesliga, Premier League und die spanische LaLiga konzentriert, könnte sich für Sportdigital langfristig als Vorteil erweisen. "Die Top-3-Ligen werden noch die größten Sprünge machen können, darunter wird es tendenziell eher schwierig", prophezeit Gisbert Wundram die finanziellen Entwicklungen im Milliardengeschäft Fußball.

Potenzial für Wachstum sei im Pay-TV-Bereich jedenfalls weiter vorhanden. "Fußball legt an Beliebtheit weiter zu, obwohl viele sagen, der Zenit sei längst überschritten." Insbesondere durch die Internationalisierung sei es zunehmend attraktiv, über den eigenen nationalen Tellerrand in die anderen Ligen zu blicken, sagt der Geschäftsführer des Hamburger Senders, der eigenen Angaben zufolge in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 1,5 Millionen potenzielle Zuschauer erreicht und sich zu 85 Prozent durch Abo-Erlöse finanziert. Auch in Zukunft werde man an der wachsenden Beliebtheit des Fußballs partizipieren, ist sich Wundram sicher.

Stressfrei ist sein Job allerdings nicht - wie schon vor elf Jahren, als Sportdigital unter gänzlich anderen Marktgegebenenheiten aus der Taufe gehoben wurde. "Es ist toll, einen solchen Sender leiten zu dürfen, aber es ist eine tägliche Herausforderung, weil nie wirklich Ruhe eintritt", so Wundram zu DWDL.de. Mehr denn je sei man heute gefordert, die Programmattraktivität in den Mittelpunkt zu stellen. "Es muss beispielsweise noch klarer kommuniziert werden, dass wir ein Fußballsender sind. Die Challenge bleibt – das ist aber auch gut so."

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Quelle; dwdl
 
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