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Streit über Pay-TV, HDTV und die Grundverschlüsselung

Dieses Thema im Forum "Szene News" wurde erstellt von Skyline01, 5. Mai 2010.

  1. Skyline01
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    Streit über Pay-TV, HDTV und die Grundverschlüsselung

    Traditionell zu den Klängen von "Star Wars" versammelte sich die Kabel-, Satelliten- und Breitbandbranche des Landes zur Auftaktdiskussion der Fachmesse Anga Cable in Köln. Streitbar wie immer vertraten die Verantwortlichen der deutschen Kabelnetzbetreiber, IPTV-Anbieter, Satellitenplattformen und TV-Sender ihre Positionen zu den Themen Digitalisierung, HDTV, Pay-TV und die dadurch entstehenden Mehrkosten für den Zuschauer.
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    Unter dem Motto "Kabel, Satellit und IPTV – Digitale Plattformen im Wettbewerb" diskutierten auf dem Podium auf Seiten der Kabelnetzanbieter Adrian von Hammerstein, seit dem Börsengang Vorstandsvorsitzender von Kabel Deutschland, Herbert Leifker von Unitymedia und Werner Hanf vom Kölner Konkurrenten Net Cologne mit Ferdinand Kayser, Chef des Satellitenbetreibers SES Astra und Martina Rutenbeck vom zweiten Betreiber Eutelsat Vis Avision.

    Außerdem am Start waren Christian Illek von der Deutschen Telekom, Andreas Bereczky vom ZDF, Lutz Freitag vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und Brian Sullivan, seit dem 1. April Vorstandsvorsitzender von Sky Deutschland sowie Thomas Braun, Präsident des gastgebenden Verbandes Deutscher Kabelnetzbetreiber (Anga). Frank Thomsen, Chefredakteur des Onlineportals Stern.de, moderierte gewohnt launig die Runde.

    Der neue Sky-Chef Brian Sullivan sollte - nachdem er versprochen hatte, im kommenden Jahr auf deutsch zu antworten - zunächst erklären, warum er bereits der fünfte Vorstandschef im sechsten Jahr des Pay-TV-Anbieters ist. "Die Herausforderung ist groß, die Möglichkeiten sind riesig. Aber der englische Markt, wo ich bei BSkyB gearbeitet habe, und der deutsche Markt sind sehr verschieden. Wir müssen einen hohen Berg erklimmen", wich der US-Amerikaner aus.

    Sullivan hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger Mark Williams scheinbar erkannt, warum die Umbenennung des früheren Premiere in Sky vor einem Jahr nicht die erhofften Früchte getragen hat. "Die neue Marke ist erstmal nur ein neuer Name, und was der Kunde sieht, ist dass Sky teurer bei der Bundesliga ist als früher Premiere. Aber jeder Fußballfan kann bei uns inzwischen sein Team live sehen, egal wo es spielt. Fußball wird ein Eckpfeiler unseres Geschäfts bleiben - aber eben nur einer."

    "HD wird einen großen Anteil an unserem Erfolg haben", so Sullivan weiter. "Wir werden im August drei neue HD-Kanäle haben. Außerdem sind digitale Videorekorder entscheidend für die Zukunft. Sie werden Sky überall und wann immer sie wollen sehen können." Gleichzeitig plant der Abosender künftig mehr Qualität beim Senderangebot. "Die Kanäle werden weniger werden", sagte der Sky-Chef. "Wir werden vermutlich keinen neuen SD-Kanal mehr aufnehmen, nur noch HD. Über 16 Millionen HD-Fernseher stehen in deutschen Haushalten, doch das Pay-TV profitiert vom HDTV-Boom noch nicht so wie es sollte."

    Zur Kritik an der HDTV-Plattform HD+ musste sich Ferdinand Kayser, Chef des Satellitenbetreibers und HD+ Anbieters Astra, erklären. "Für die Privatsender war die Einführung von unverschlüsseltem Digital-TV 1995 eine Erbsünde. Jetzt haben die Privaten gesagt: HD führen wir nur ein, wenn wir verschlüsseln können. HD+ ist nur technischer Dienstleister für die Verschlüsselung der HD-Kanäle", verteidigte sich Kayser. Eine Alternative sah auch er nicht: "Für den Kunden kostet das Geld. Es geht um Geschäftsmodelle, die weltweit so eingeführt sind. Früher oder später werden auch in Deutschland alle Inhalte bezahlpflichtig sein. Die Zeiten, wo alles umsonst war, werden irgendwann vorbei sein.

    Das brachte Lutz Freitag vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW auf den Plan. "Wir fordern eine verbraucherfreundliche Finanzierung: Was schon einmal über Werbung bezahlt worden ist, darf nicht nochmal über Verschlüsselung vom Zuschauer finanziert werden", sagte Freitag zu den Kosten für die privaten HD-Kanäle auf HD+.

    "Ein Gutteil der fehlenden Akzeptanz von digitalem Fernsehen hängt mit der Verschlüsselung zusammen. Ich sehe hier eine große Fehlentwicklung", so Freitag weiter. "Das ist mit den Rundfunkstaatsverträgen nicht vereinbar. Diese verbraucherfeindliche Grundverschlüsselung behindert die eigentlich förderungswürdige Digitalisierung."

    Herbert Leifker vom Kabelbetreiber Unitymedia verteidigte die Grundverschlüsselung: "Es gibt verschiedene Verträge: Die öffentlich-rechtlichen Sender sind nicht verschlüsselt, die Privaten schon. Auch die Sender ihrerseits sind an Verträge mit Inhalteanbietern gebunden, hier geht es um Urherberrechte." Auch für Unitymedia habe dies Vorteile. "Wir sind ohne Verschlüsselung nicht in der Lage, Schwarznutzer aufzuspüren. Drei bis fünf Prozent der Zuschauer sehen schwarz", beklagte Leifker.

    Kabel Deutschland liefert seit dieser Woche die zur Entschlüsselung der Sender benötigten CI+ Module aus (inside-digital.de berichtete). "Diesen Standard haben wir unterstützt, um dem Kunden den digitalen HD-Empfang zu erleichtern", sagte KDG-Chef Adrian von Hammerstein. "Die Kunden kaufen HD-Fernseher und wollen auch den entsprechenden Dienst. Wir haben schon zehn HD-Sender im Angebot und es werden noch mehr werden."

    "Wir hassen das Thema Grundverschlüsselung", echauffierte sich dagegen Net Cologne-Geschäftsführer Werner Hanf. "80 Prozent der TV-Geräte haben bereits ein eingebautes Empfangsteil. Es ist widersinnig, wenn wir anfangen, diese Entwicklung jetzt mit einer Grundverschlüsselung zu blockieren. Wir geben ein klares Bekenntnis zu Free-TV und HD. Bei uns gibt es sechs HD-Kanäle, dazu die freien digitalen öffentlich-rechtlichen und privaten Kanäle. Das ist das Grundbedürfnis der Zuschauer."

    ZDF-Mann Andreas Bereczky schlug in die gleiche Kerbe und fragte: "Wieviele Boxen verträgt ein Haushalt? Bald gibt es 23 öffentlich-rechtliche HD-Kanäle, für die keine zusätzlichen Receiver nötig sind." Anga-Präsident Thomas Braun: "Den Kunden interessiert die Technik überhaupt nicht. Früher steckte man ein Kabel in die Wand und fertig. Wir müssen die Informationslücke schließen, hier ist der Fachhandel und die Branche insgesamt gefragt. Wenn der Kunde das versteht, ist er auch bereit mehr zu zahlen. Am Ende gewinnt nicht der mit dem günstigsten Preis oder dem vielfältigsten Angebot, sondern der mit dem besten Service."

    Astra-Chef Kayser argumentierte mit Angebot und Nachfrage: "Der Markt wird's richten. Der Satellit ist zu 75 Prozent digital, das Kabel nur zu 35 Prozent. Auch deshalb wächst bei uns HDTV schneller. Die Analogabschaltung im April 2012 wird spannend werden. Wir werden sehen, wie der Wettbewerb ausgeht."

    Quelle: inside-digital.de
     
    #1
    datamen, mv1riese und Pilot gefällt das.

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