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Michael Schumacher - Zwischen Anspruch und Realität

Dieses Thema im Forum "Motorsport" wurde erstellt von rooperde, 24. Mai 2011.

  1. rooperde
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    Mercedes-Pilot Michael Schumacher ist es bisher nicht gelungen, an seine "erste Karriere" in der Formel 1 anzuknüpfen, Kritik lässt ihn aber kalt.

    Die Begeisterung war groß, als Mercedes zur Weihnachtszeit 2009 den Coup schlechthin verkündete: Michael Schumacher würde 2010 in die Formel 1 zurückkehren, um noch einmal nach dem WM-Titel zu greifen. Inzwischen sind fast eineinhalb Jahre vergangen und die anfängliche Euphorie schwappte in Enttäuschung um, denn weder die Silberpfeile noch "Schumi" wussten bisher richtig zu glänzen.

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    Am Rande des Spanien-Events, wo Schumacher im vergangenen Jahr einen seiner besseren Rennauftritte abgeliefert hatte, ließ sich sein ehemaliger Teamchef Eddie Jordan dazu hinreißen, den 42-Jährigen zum Rücktritt aufzufordern: "Er sollte sich das nicht länger antun. Ich glaube, er ist zu alt dafür", meint Jordan. Vom Rücktritt ist Schumacher allerdings weiter entfernt als vom Treppchen.

    Die zuletzt ordentlichen Punkteplätze sollen nur die Vorstufe für bessere Leistungen sein, weshalb der deutsche Rennfahrer rein gar nicht über das Aufhören nachdenkt. Es sei "definitiv ein Gerücht", dass er sich ernsthaft überlege, seinen Formel-1-Helm an den Nagel zu hängen, betont Schumacher. "Ich bin aber nicht überrascht, dass ich so etwas hören darf" - die angestrebten Siege blieben bisher aus.

    Schumacher: die Ruhe bewahren

    Stattdessen folgten Rückschläge und eigene Fehler, wie vor wenigen Wochen in der Türkei. Dort hätte Schumacher einmal mehr gute Punkte holen können, doch eine Kollision mit Witali Petrow (Renault) kostete den siebenmaligen Weltmeister nicht nur den Frontflügel, sondern auch alle Rennchancen. In einem solchen Fall tut Schumacher das, was er schon immer tat: die Situation gründlich analysieren.

    "Ich hielt mich bewusst von allen Medien fern. So hatte ich das schon in der Vergangenheit gemacht, wenn die See etwas stürmischer war, und mich auf das Wesentliche konzentriert - und auf das, was mir nach wie vor Freude bereitet", erklärt der 42-Jährige. Er setze jedoch nicht auf Verdrängung, denn das wäre aus seiner Sicht der falsche Weg: "Für mich ist nicht wichtig, so etwas zu vergessen."

    "Ich möchte lieber analysieren und verstehen, warum. Das ist das, was mich interessiert", erläutert Schumacher. Dazu gehört auch, dass er den Trubel des Fahrerlagers bewusst hinter sich lässt, um Abstand zu gewinnen. "Nach Hause zu kommen, die Ruhe der Familie zu genießen, sich von gewissermaßen überflüssigen Dingen nicht ablenken zu lassen", schätzt Schumacher besonders.

    Wie ein Schiff im sicheren Hafen...

    Es sei aber nicht so, dass er vor der Kritik an seiner Person die Flucht antrete. Er stelle sich dem Medienecho eben auf seine Weise. "Ich habe kein Problem mit Kritik. Damit kann ich leben", meint Schumacher. "Ich weiß aber genau, welche Fehler ich mache. Ich analysiere sie und versuche sie zu beheben. Alles andere muss man an sich vorbeiziehen lassen", findet der deutsche Routinier.

    "Eine Familie zu haben, die dich immer wieder auffängt, auch in stürmischen Momenten, ist schon wichtig", fügt Schumacher hinzu. Rückendeckung erfährt der Mercedes-Pilot aber nicht nur aus der Familie und dem Freundeskreis, sondern auch aus dem Fahrerlager der Formel 1. Nicht alle sehen das Tun Schumachers nämlich derart kritisch wie beispielsweise der frühere Teamchef Jordan.

    Gerhard Berger, ehemaliger Rennfahrer und Weggefährte von Schumacher in der Formel 1, äußert sich nämlich sehr begeistert über die "zweite Karriere" des Rekordchampions: "Ich freue mich jedes Mal, ihn auf der Rennstrecke zu sehen. Er kann das machen, was er gerne tut. Ich glaube, das steht ihm auch zu. Solange es Rennställe gibt, die ihn gerne im Team haben, ist das ja auch in Ordnung."

    Die Rivalen trauen Schumacher noch vieles zu

    Respekt genießt Schumacher aber auch bei seinen direkten Konkurrenten. "Ich bin mir sicher: Er kann nach wie vor problemlos mit uns mithalten", sagt Fernando Alonso (Ferrari), gegen den Schumacher im WM-Kampf 2006 den Kürzeren zog. Der spanische Rennfahrer hält noch immer große Stücke auf "Schumi" und merkt an: "Michael ist vielleicht nach wie vor der Beste von uns allen. Ich glaube an ihn."

    Sebastian Vettel (Red Bull) möchte seinen deutschen Landsmann ebenfalls nicht abschreiben und bringt Verständnis für die Situation Schumachers auf. "Es ist mit Sicherheit kein Vergnügen für ihn, wenn jeder in gewisser Weise auf ihm herumhackt", gibt Vettel in Spanien zu Protokoll. "Michael hat aber schon genug mitgemacht - mehr als jeder andere im Fahrerlager. Er weiß damit umzugehen."

    Schumacher bestätigt diese Annahme: "Ich habe nicht das Gefühl, mich anderweitig verteidigen zu müssen", lässt der Weltmeister von 1994, 1995, 2000, 2001, 2002, 2003 und 2004 verlauten. "Dafür bin ich zu lange dabei, um zu wissen, dass das Vorangegangene beim nächsten positiven Resultat eh hinfällig ist. Und positive Ergebnisse werden über kurz oder lang eintreten." Davon ist er überzeugt.

    Wie verläuft das Entwicklungsrennen?

    Die jüngsten Ergebnisse geben laut Schumacher Anlass zur Hoffnung: "Wir haben definitiv große Fortschritte gemacht", stellt der 42-Jährige heraus. "Und zwar aus dem einfachen Grund, dass wir das Potenzial des Autos am Anfang nicht ausschöpfen konnten. Jetzt sind wir mehr oder weniger da, wo wir sein wollten. Die ersten Entwicklungsstufen kommen hinzu und wir sind halbwegs im Fahrplan."

    "Die große Frage ist aber nach wie vor: Was ist unsere Entwicklung im Vergleich zu den anderen Teams wert? Darauf werden wir im Jahresverlauf mehr und mehr eine Antwort erhalten", erklärt Schumacher. Ebenfalls wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob der Deutsche seinen jüngeren Teamkollegen öfters hinter sich lassen kann. Bisher hat Rosberg klar die Nase vorne.

    Laut Nico Hülkenberg ist dies nur verständlich. "Man darf nicht vergessen: In Nico hat Michael einen richtig guten Teamkollegen", hält der Force-India-Testpilot fest. "Nico ist nun schon einige Jahre in der Formel 1 am Start und liefert konstant gute Leistungen ab. Nico fährt auf sehr hohem Niveau. Michael ist natürlich der siebenmalige Weltmeister. Wir haben allerdings einfach eine hohe Leistungsdichte."

    Rosberg als wichtigste Messlatte für "Schumi"

    Genau diese wurde Schumacher bislang recht oft zum Verhängnis - nicht immer schaffte es "Schumi" in diesem Jahr in die Top 10. Hauptbaustelle: das Qualifying. Doch der Mercedes-Pilot widerspricht. In der vergangenen Saison habe er - "keine Frage" - durchaus große Defizite in dieser Disziplin gehabt, doch in diesem Jahr sei die Situation eine andere. Schumacher zeigt sich da sehr zuversichtlich.

    "In Istanbul hatten wir erstmals 2011 die Situation, dass das Auto optimal funktionierte. Richtig ist: In meiner letzten Runde brachte ich es nicht auf den Punkt. Das sind Fakten. Was alles andere anbelangt, bin ich ganz entspannt. Ich gehe davon aus, dass ich nicht immer vor Nico stehen, aber auf ähnlichem Niveau fahren kann - sowohl auf die eine schnelle Runde als auch im Rennen."

    Zumindest beim Großen Preis von Spanien sah Schumacher die Zielflagge vor seinem Stallgefährten. Wie schon im vergangenen Jahr, so stellte der Circuit de Catalunya auch 2011 ein gutes Pflaster für den Silberpfeil-Fahrer dar, der schließlich auf Platz sechs abgewinkt wurde. Ein gutes Ergebnis, aber nicht mehr als ein Anfang, wenn sich selbst das Ziel gesetzt hat, erneut zu WM-Ehren zu gelangen.

    Quelle: Formel1
     
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