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GrapheneOS zieht sich aus Frankreich zurück — Infrastruktur wird verlegt
Das Entwicklerteam des datenschutz- und sicherheitsorientierten Open-Source-Betriebssystems GrapheneOS hat angekündigt, ihre Infrastruktur aus Frankreich abzuziehen. Der französische Hostinganbieter OVH verliert damit sämtliche aktiven Server für GrapheneOS-Dienste — das Team will sich vollständig von OVH trennen.
Als Grund nennt GrapheneOS, dass sie Frankreich nicht länger als sicheren Standort für quelloffene Privacy-Projekte ansehen. Die französische Regierung fordere Hintertüren in der Verschlüsselung und den Gerätezugriff — nach Ansicht der Entwickler seien „tatsächlich sichere Geräte“ dort nicht mehr zulässig.
Hintergrund der Entscheidung sind Medienberichte, insbesondere aus Le Parisien, die GrapheneOS als „Geheimwaffe“ für Kriminelle darstellten: Mit dem Betriebssystem ausgestattete Geräte würden angeblich von Drogenhändlern genutzt, um sich der Polizei zu entziehen. Laut GrapheneOS sei das aber eine Falschdarstellung — weniger als ein Prozent der Nutzenden habe einen „kriminellen Hintergrund“.
Als Konsequenz stehen umfangreiche Infrastrukturänderungen an: TLS- und DNSSEC-Schlüssel sowie Let's-Encrypt-Schlüssel sollen rotiert werden. Dienste wie E-Mail, Chat (Matrix), Forum und Social Media (Mastodon) werden vom OVH-Host zu neuen Anbietern umgezogen — etwa dem deutschen Hoster Netcup oder zu Hosting in Kanada bzw. den USA. Update-Mirrors werden auf Server in Nordamerika oder Großbritannien verlegt.
Das Team äußert, man fühle sich derzeit auch bei OVH-Servern außerhalb Frankreichs (z. B. Kanada oder USA) nicht sicher genug — der Rückzug gehe über die Pariser Infrastruktur hinaus.
Einordnung und Bedeutung
Die Entscheidung von GrapheneOS zeigt, wie stark politische und mediale Rahmenbedingungen auf die Lage von Privacy-Projekten wirken können — selbst in demokratischen Ländern. Wenn Staaten oder Medien negative Narrative etablieren und rechtlicher Druck droht, kann das Projekte dazu veranlassen, ihre Infrastruktur ganz neu zu ordnen. Für Nutzer:innen bedeutet der Umzug: Die Dienste bleiben verfügbar — jedoch künftig über andere Hoster und Länder. Der Schritt signalisiert auch: Für besonders sicherheitsorientierte Software kann der Standort eines Servers entscheidend sein.
Quelle: Golem