Film-Fakes auf Amazon: Zu schön, um wahr zu sein

Dieses Thema im Forum "PC&Internet News" wurde erstellt von josef.13, 13. Februar 2017.

  1. josef.13
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    josef.13 Moderator Digital Eliteboard Team

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    Auf Amazon werben Drittanbieter mit Streams von aktuellen Kinofilmen – gratis und in bester Bildqualität. Wer auf die Lockangebote reinfällt, bekommt nicht etwa Filme zu sehen, sondern tappt in eine Abofalle und verrät unseriösen Anbietern persönliche Daten. Bereits im vergangenen November hatte test.de über ähnliche Praktiken berichtet und nur ausweichende Reaktionen von Amazon erhalten. Auch diesmal fällt es Amazon offenbar schwer, Nutzer vor betrügerischen Maschen zu schützen.

    Fantasieangebote statt Fantasyfilme
    „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ – Millionen von Zuschauern haben diesen Film gesehen, seit er am 17. November 2016 in die deutschen Kinos kam. Kein Wunder, stammt das Drehbuch doch aus der Feder von J.K. Rowling, der „Harry-Potter“-Autorin. Auf DVD und Blu-ray soll der Film erst im April 2017 erscheinen. Doch wer Anfang Januar die Seite Amazon.de besuchte, stieß auf eine fantastische Möglichkeit: Ein Anbieter namens „Movie Do’A Mamah“ warb damit, den Film bereits per App zu zeigen – in UHD, der derzeit bestmöglichen Bildqualität, und noch dazu gratis. Solche Angebote fanden wir auch für zahlreiche weitere Filme – von Oscar-Kandidaten wie „Jackie“ und „The Salesman“ bis hin zu Blockbustern wie „Passengers“. Das erschien uns äußerst zweifelhaft, also nahmen wir zwei Fälle genauer unter die Lupe: Den erwähnten Hollywood-Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ sowie den südkoreanischen Horrorthriller „The Wailing“.

    Anfangs wirkt noch alles in Ordnung
    Wer einen dieser Filme sehen will, muss sich zunächst die App „Amazon Underground“ besorgen. Dies ist eine offizielle App des Konzerns, es gibt sie aber nicht in den App-Stores von Google und Apple. Nutzer von Android-Tablets und -Smartphones können sie jedoch über die Seite amazon.de/underground herunterladen. Für die Installation muss dem Tablet oder Smartphone gestattet werden, Apps aus unbekannten Quellen zu verwenden. Im Normalfall sollten Nutzer das unterlassen, da auf diesem Wege Schadsoftware eindringen kann – bei einer offiziellen Amazon-App ist das aber sehr unwahrscheinlich. Ist die App installiert, muss sich der Kunde noch in sein Amazon-Konto einloggen und den gewünschten Filmtitel in die Suchmaske eingeben.

    Umwege, die nicht zum Ziel führen
    Im Fall der „Phantastischen Tierwesen“ erhielten wir daraufhin eine App, die genauso hieß wie der Film. Schädlinge enthielt sie nicht. Allerdings führte sie uns – statt den Film zu zeigen – auf eine Internetseite, deren Adresse nicht zu sehen war. Wir konnten aber durch eine Analyse des Datenstroms ermitteln, dass es sich um das Portal vkstreamingfilms.xyz handelte. Mit offiziellen Onlinevideotheken (test 1/2017) wie Netflix, Maxdome oder Mubi hat diese Seite nichts zu tun. Auf der Homepage sahen wir ein Standbild aus dem beworbenen Film und einen „Play“-Button, der vortäuschte, dass das Werk sich hier abspielen ließe. Als wir dies versuchten, wurden wir aufgefordert, uns anzumelden – zu diesem Zweck wurden wir auf eine andere Seite weitergeleitet. Mal war dies peltmedia.com, mal geeker.com.

    Billigspiele statt exklusive Filme
    Dort sollten wir unsere Kreditkartendaten eingeben. Anschließend wurde uns ein Abo angeboten: Fünf Tage lang gratis, danach rund 28 Euro pro Monat. Dabei sollten wir die „Phantastischen Tierwesen“ doch eigentlich gratis zu sehen bekommen! Wir schlossen dennoch ein Abo ab, den gewünschten Film bekamen wir aber – Überraschung! – nicht zu sehen. Es waren lediglich ein paar nicht besonders hochwertige Computerspiele verfügbar. Wir kündigten umgehend, damit uns kein finanzieller Schaden entsteht. Möglicherweise geht es dem Anbieter aber nicht nur um die Abogebühr, sondern auch um persönliche Daten. Über sein angebliches Streaming-Portal hat er unsere E-Mail-Adresse, ein Passwort sowie Zahlungsdaten erfahren. Mit dem Verkauf von solchen Nutzerdaten lässt sich durchaus Geld verdienen – außerdem können sie missbraucht werden, um auf Kosten des Nutzers einzukaufen.

    Fake-Angebote bleiben eine ganze Weile online
    Inzwischen existieren die Angebote für „Phantastische Tierwesen“ und „The Wailing“ nicht mehr – ob sie von Amazon oder vom Drittanbieter selbst gelöscht wurden, teilte uns Amazon auf Nachfrage nicht mit. Zuvor waren die Seiten der beiden Filme allerdings längere Zeit auffindbar. Gut möglich, dass in dieser Zeit manche Kunden Opfer der Betrugsmasche wurden. Generell besteht diese Möglichkeit auch weiterhin, denn innerhalb von wenigen Minuten Recherche fanden wir viele weitere Angebote, die vorgeben, brandneue Filme zu zeigen. Wir stießen beispielsweise auf das achtfach Oscar-nominierte Drama „Moonlight“ (Kinostart 9.3.2017), Feelgood-Kitsch wie „Bailey – Ein Freund fürs Leben“ (Kinostart 23.2.2017) und den Horrorstreifen „Rings“ (Kinostart 2.2.2017). Zudem verschwand zwar der Shop des Drittanbieters Movie Do’A Mamah, kurz darauf fanden wir aber einen Anbieter mit dem sehr ähnlichen Namen „Movie Do’A“, der ebenfalls damit warb, zahlreiche topaktuelle Filme kostenlos zu zeigen.

    Amazon reagiert mit Standardphrasen
    Wir konfrontierten Amazon mit unseren Erkenntnissen und fragten, ob der Konzern die von uns genannten Seiten selbst gelöscht habe, warum die offensichtlichen Fake-Angebote längere Zeit online verfügbar waren und was genau unternommen werde, um solche Kundenfallen zu unterbinden. Auf unsere Fragen ging der Konzern nicht direkt ein, stattdessen erhielten wir nur eine ausweichende, sehr allgemeine Antwort: „Bei Amazon haben wir uns verpflichtet, Kunden das bestmögliche Einkaufserlebnis zu bieten.“ Und: „Wir verfügen über Prozesse, mithilfe derer wir Verstöße identifizieren und die Entfernung der entsprechenden Produkte veranlassen. Die hier betroffenen Produkte sind nicht weiter verfügbar.“ Der letzte Satz stimmt so leider nicht, denn unter zwei von sechs Links, die wir Amazon nannten, waren auch nach der Antwort des Konzerns noch immer offensichtliche Fälschungen zu finden: Einer dieser zwei verlinkten Shops listete auf satten elf Unterseiten sogar mehr als 600 kostenlose Produkte auf. Schon auf einer einzigen dieser Unterseiten fanden wir Angebote für rund 20 brandneue Kinofilme – natürlich alle „kostenfrei“. Mit diesem ineffektiven, langsamen Vorgehen gegen Fake-Angebote setzt Amazon das Geld und das Vertrauen seiner Kunden aufs Spiel.

    Filmangebote sind nicht die ersten Fakes auf Amazon
    Bereits im November 2016 berichteten wir über Fake-Shops auf Amazon.de. Kunden fanden auf der Seite Produkte von Drittanbietern zu überraschend günstigen Preisen – darunter etwa Kameras und Kaffeemaschinen. Wir bestellten probeweise einige Artikel, erhielten wie erwartet keinen davon und wurden so um mehr als 500 Euro betrogen. Schon damals stellten wir fest, dass solche unseriösen Angebote teilweise erstaunlich lange online zu finden sind, ehe sie verschwinden. Und auch in diesen Fällen beantwortete Amazon unsere Fragen nur sehr vage.

    So erkennen Sie Fake-Angebote
    Gesunder Menschenverstand. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Anbieter, der – anders als etablierte Filmverleihe und Onlinevideotheken – keinen Namen in der Filmindustrie hat, die Rechte besitzt, um einen Film zu zeigen, der aktuell noch im Kino läuft oder erst in einigen Wochen startet.

    Kinostart. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Sie online das Datum des deutschen Kinostarts recherchieren. Im Normalfall liegen zwischen Kinostart und der legalen Online-Veröffentlichung sechs Monate oder mehr. Brandaktuelle Filme dürften also online nicht legal zu finden sein – erst recht nicht auf Portalen mit obskur klingenden Namen wie vkstreamingfilms.xyz.

    Kostenlos. Ein weiterer wichtiger Warnhinweis ist die Tatsache, dass die Filme vermeintlich gratis gezeigt werden – der Anbieter würde daran nichts verdienen. Das ist ein deutliches Indiz für ein Fake-Angebot.

    Name der App. Ein schlechtes Omen ist auch der Name der App, die wir über Amazon heruntergeladen haben – sie hieß so wie der gewünschte Film. Seriöse Videoportale wie Netflix oder Maxdome bieten eine übergreifende App an, über die das gesamte Repertoire genutzt werden kann. Ist die App hingegen nach einem speziellen Film benannt, handelt es sich vermutlich um ein zweifelhaftes Angebot.

    Abo sofort kündigen
    Falls Sie der Versuchung bereits erlegen sind und ein solches Abo abgeschlossen haben, kündigen Sie es sofort. Die Portale bieten mitunter eine mehrtägige Gratisphase, erst danach fällt die Abogebühr an. Außerdem gilt auch für Abos im Internet die gesetzlich vorgeschriebene 14-tägige Widerrufsfrist, bei falscher oder fehlender Widerrufsbelehrung läuft sie sogar noch länger. Laut einigen Nutzerkommentaren ist die Kündigungsoption bei den genannten Anbietern manchmal schwer zu finden. Zu den Optionen zählen etwa „Kündigen“-Buttons direkt im Nutzerkonto, Faxe, Briefpost per Einschreiben und E-Mails – die Kontaktdaten des Anbieters erfahren Sie zum Beispiel im Impressum oder in den allgemeinen Geschäftsbedingungen. Sollten nach der Kündigung noch weitere Abbuchungen stattfinden, widersprechen Sie den Zahlungen und wenden Sie sich an den jeweiligen Zahlungsdienstleister – etwa Paypal oder den Anbieter Ihrer Kreditkarte. Der kann ihr Geld zurückerstatten und unseriöse Dienste blockieren. Zusätzlich sollten Sie jegliche Kommunikation mit dem Anbieter speichern, um für Kündigung oder Widerruf einen Beleg zu haben.

    Quelle; Stiftung Warentest
     
    #1
    Osprey gefällt das.
  2. kiliantv
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    kiliantv Moderator Digital Eliteboard Team

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    Betrug: Stiftung Warentest warnt vor Fake-Filmen bei Amazon

    Die Stiftung Warentest warnt derzeit vor Fake-Filmen für Amazon Video. Es handelt sich um Apps, die nur vorgeben, kostenlose Filme anzubieten, in Wahrheit aber nur Daten abgreifen oder teure Abos verkaufen.

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    © wk1003mike / Shutterstock.com

    „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ war einer der Blockbuster der vergangenen Weihnachtssaison. Außerhalb des Kinos gibt es ihn bislang nicht zu sehen. Wer sehnsüchtig auf eine Veröffentlichung wartet, sollte Vorsicht walten lassen. Denn genau mit diesem Blockbuster ist die Stiftung Warentest Fake-Angeboten bei Amazon auf die Schliche gekommen. Vor allem aktuellere Kino-Highlights gibt es bei Amazon oft nur zum Leihen und zum Kaufen. Bestimmte Apps für Android- und Fire-Geräte versprechen kostenlosen Filmgenuss – sind in aller Regel aber Fake-Angebote, die teuer werden können!

    Weiterleitung – Weiterleitung – Abo – Betrug
    Vermeintlich kann man die neuesten Filme über Drittanbieter bei Amazon als Stream buchen. Als Beispiel nennt die Stiftung Warentest die App „Amazon Underground“, eine Art alternativen Appstore für Android- und Fire-Geräte. Dort gibt es sonst kostenpflichtige Apps kostenlos. Die App ist allerdings als Datenkrake verschrien. Man findet dann dort etwa „Phantastische Tierwesen“ als App. Diese ist zwar nicht mit Schadsoftware belastet, leitet den Nutzer aber auf die Seite „vkstreamingfilms.xyz“ weiter. Nach einer weiteren Anmeldung wird man abermals weitergeleitet, auf Seiten wie „peltmedia.com“ oder „geeker.com“, wo man dann zur Eingabe der Kreditkartendaten aufgefordert wird.

    Jetzt muss der Nutzer ein Abo abschließen, welches 5 Tage lang kostenfrei nutzbar ist, danach aber 28 Euro im Monat kostet. Obendrein hat der Nutzer dann lediglich Zugriff auf einige Spiele, nicht aber den gewünschten Film. Sein Abo kann man zwar wieder kündigen, die Daten hat man dann aber trotzdem angegeben.

    Verdächtige Apps mittlerweile verschwunden
    Nachdem Amazon mit dem Sachverhalt konfrontiert wurde, reagierte das Unternehmen umgehend und löschte die verdächtigen Apps. Doch weitere Fake-Angebote sind nach wie im Umlauf. Gegenüber dem Stern kommentierte das Unternehmen: „Gefälschte Produkte werden von Amazon nicht toleriert. Kunden von Amazon vertrauen darauf, dass sie ausschließlich Produkte erwerben, die auch tatsächlich vom jeweiligen Markenhersteller stammen – egal ob der Verkauf direkt über Amazon erfolgt oder über einen der Millionen Drittanbieter.“ Für Kunden gilt: Seien Sie vorsichtig und lassen Sie Vernunft walten! Angebote, die zu schön klingen, um wahr zu sein, sind in der Regel nicht echt!

    Quelle: amazon-watchblog
     
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