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Habemus Papam

Dieses Thema im Forum "Klatsch & Tratsch" wurde erstellt von rooperde, 14. März 2013.

  1. rooperde
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    rooperde Elite Lord

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    Mit Jorge Mario Bergoglio hatte kaum jemand gerechnet - jetzt ist er Papst, der erste Südamerikaner, der erste Jesuit. Franziskus gilt als asketischer Intellektueller, ein Mann der zweiten Reihe. Dabei hat er immer wieder Korruption und Armut angeprangert. In seiner Vergangenheit gibt es einen dunklen Fleck.

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    Schon der erste Moment war bezeichnend. Jorge Mario Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, 76 Jahre alt, trat um 20.22 Uhr auf die Benediktionsloggia. Und das Erste, was die Welt vom neuen Papst sah, war das, was fehlte: der pelzbesetzte Umhang. Franziskus stand dort, das neue Oberhaupt von 1,2 Milliarden Menschen, bescheiden, zurückgenommen. Er dankte den Kardinälen für seine Wahl. Sie seien bis zum Ende der Welt gegangen, um nach ihm zu suchen (lesen Sie hier das Minutenprotokoll der Papst-Wahl).

    Tatsächlich hatte kaum jemand mit der Wahl des Jesuiten gerechnet. Andere Namen waberten durch das regnerische Rom: Scola hätte es werden können, der Italiener. Schönborn, der Österreicher. Vielleicht noch Scherer, der Brasilianer. Und, wenn sie ganz mutig gewesen wären, ein Afrikaner. Doch auch mit der Wahl Bergoglios haben die Kardinäle Mut bewiesen - indem sie den ersten Lateinamerikaner an die Spitze der Weltkirche wählten. Und den ersten Jesuiten obendrein.

    Mit Bergoglio kürten sie einen bescheidenen, bodenständigen, volksnahen Mann. Einen, der öffentliche Verkehrsmittel benutzt statt die bischöfliche Limousine. Einen, der nicht im Bischofssitz wohnt, sondern in einem schlichten Apartment. Einen, der selbst in den Supermarkt geht zum Einkaufen und anschließend kocht. Einen, der bei Treffen der Kardinäle gerne in der zweiten Reihe saß statt in der ersten.

    Einen, der zugunsten Ratzingers 2005 auf seine Wahl zum Papst verzichtete. Im dritten Wahlgang, so heißt es, hätten damals bis zu 40 Kardinäle für ihn gestimmt. Mit diesem Drittel hätte Bergoglio theoretisch jede andere Wahl blockieren können. Sein Rückzug ermöglichte schließlich die Wahl Ratzingers.

    Bergoglio gilt als wortkarg und medienscheu. Seine wenigen Äußerungen aber haben enormes Gewicht in seiner Heimat. Er hält Distanz zur Politik und prangert Missstände mit klaren Worten an - Korruption, Armut, Ungerechtigkeit.

    In den vergangenen Wochen wurde Bergoglio kaum als Favorit gehandelt. Er hatte es 2005 nicht geschafft - warum sollte er es jetzt schaffen? Seit seiner Kindheit kämpft er mit Lungenproblemen, 2010 erholte er sich nur langsam von einer schweren Grippe. Kritiker hielten ihm 2005 vor, er brenne nicht für das Amt, ihm fehle der Biss, es mit der Kurie aufzunehmen.

    Bergoglio schien damals dennoch ein so aussichtsreicher Kandidat zu sein, dass seine Gegner alles Erdenkliche gegen ihn vorbrachten. Nur drei Tage vor Beginn des Konklaves erstattete ein Anwalt Anzeige gegen den Erzbischof von Buenos Aires: 1976 soll er der Militärdiktatur bei der Entführung zweier Jesuiten geholfen haben. Komplizenschaft lautete der Vorwurf. Immer wieder wurde Bergoglio vorgehalten, sich zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 nicht klar genug positioniert zu haben. Im Foltergefängnis inhaftierte Ordensbrüder warfen dem Jesuiten-Provinzial vor, sie nicht geschützt zu haben. Bis heute weist Bergoglio die Vorwürfe zurück.

    Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer in Buenos Aires geboren. Sein Vater, ein Eisenbahnangestellter, stammte aus Turin. Die Familie hatte fünf Kinder. Bis heute hat Bergoglio nicht nur die argentinische, sondern auch die italienische Staatsangehörigkeit - eine Tatsache, die ihn für die Wahl zum Papst qualifizierte. Bergoglios Heimat ist Lateinamerika, doch er ist auch in Europa zu Hause, ein Mann der Weltkirche. Seine Bescheidenheit und Demut sollen von den anderen Kardinälen sehr geschätzt werden.

    Der neue Papst verbrachte längere Zeit in Deutschland

    Bergoglio machte ein Diplom als Chemiker, erst im Anschluss begann er ein Theologiestudium und trat in den Jesuitenorden ein. Er immatrikulierte sich auch für Philosophie und lehrte nebenher Psychologie und Literatur. 1969 wurde er zum Priester geweiht, wenig später leitete er als Jesuiten-Provinzial Argentiniens die Geschicke des Ordens. 1985 ging er während seiner Promotion nach Deutschland an die Universität Freiburg - und spricht deshalb Deutsch. 1998 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Erzbischof von Buenos Aires, ab 2005 war er Vorsitzender der Argentinischen Bischofskonferenz. Bergoglio liebt das Kochen, die Oper, griechische Klassiker, Shakespeare, Dostojewski - und das Schwimmen.

    Er gilt als gemäßigter und dialogbereiter Theologe. Konservative schätzen seine Rolle bei den Jesuiten, Gemäßigte sein Engagement für die Kirche in Entwicklungsländern, seinen Einsatz für die Armen. Bergoglio ist ein Intellektueller, aber auch ein charismatischer Asket. Er ist belesen, aber bodenständig. Weitgereist und doch heimatverbunden. Bergoglio ist kein Theoretiker, er geht in die Favelas, hinaus zu den Menschen. Er sucht selten die große Bühne, doch wenn, hat er etwas zu sagen. Die Globalisierung ist sein Thema, die Kluft zwischen Arm und Reich. "Die ungleiche Verteilung der Güter schafft eine Situation sozialer Sünde, die zum Himmel schreit - und so vielen Brüdern und Schwestern die Möglichkeit eines erfüllteren Lebens vorenthält", sagte er bei einem Treffen lateinamerikanischer Bischöfe 2007.

    In Fragen katholischer Sexualmoral ist Franziskus aber ein Konservativer: Abtreibung lehnt er ab, Homo-Ehen und Verhütung auch. 2010 legte er sich offen mit der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner an. Der Erzbischof sagte damals, die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare sei eine Diskriminierung der Kinder. Bergoglios Worte erinnerten an "mittelalterliche Zeiten und die Inqusition", ließ die Präsidentin den Geistlichen wissen.

    An den hohen christlichen Feiertagen besuchte Bergoglio Krankenhäuser und Gefängnisse und wusch Patienten und Insassen die Füße. Er setzte sich ein für HIV-Kranke und die Taufe unehelicher Kinder - in einem erzkatholischen Land wie Argentinien ist das von großer Bedeutung. Priester, die eine solche Taufe ablehnten, nannte er 2012 "heuchlerische Anhänger eines Neo-Klerikalismus". Bergolio steht der konservativen und sozial engagierten Bewegung "Comunione e Liberazione" nahe.

    "Wenn wir rausgehen auf die Straße, dann können Unfälle passieren", sagte er vor kurzem. "Aber wenn sich die Kirche nicht öffnet, nicht rausgeht, und sich nur um sich selbst schert, wird sie alt. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf die Straße Verletzungen zuzieht und einer Kirche, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann habe ich keine Zweifel: Ich würde die erste Option wählen."

    Quelle: Spiegel
     
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