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Sonstige Anbieter Add a friend": TNT Serie produziert erste PayTV-Serie

Dieses Thema im Forum "PayTV Anbieter News" wurde erstellt von josef.13, 8. Dezember 2011.

  1. josef.13
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    josef.13 Modlehrling Newsbereich Digital Eliteboard Team Modlehrling

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    Das Turner-Duo Hannes Heyelmann und Anke Greifeneder nimmt Geld in die Hand und lässt mit "Add a friend" die erste deutsche PayTV-Serie produzieren. Wer mitspielt, wer produziert und was Turner mit dem neuen Sender Glitz plant...

    Herr Heyelmann, wie lief das Jahr 2011 für Turner Broadcasting System in Deutschland?
    Hannes Heyelmann: Für uns war 2011 ein aufregendes Jahr, weil wir mit den bestehenden Sendern stark gewachsen sind. Wir arbeiten profitabel und haben je Sender zwischen 500.000 und einer Million Abonnenten dazu gewonnen. Bei TNT Serie haben wir inzwischen 4,5 Millionen Abonnenten im deutschsprachigen Raum und da wir mittlerweile auch die Einschaltquoten messen lassen, kennen wir jetzt auch konkrete Nutzungszahlen. Bei einer Serie wie "Game of Thrones" kommen wir im Pay-TV auf rund 100.000 14- bis 49-jährige Zuschauer in der Spitze. Das ist schon eine relevante Größenordnung. Auch bei anderen Highlights wie "Boardwalk Empire", "Nurse Jackie" oder "Falling Skies" erzielen wir gute Quoten.

    Anke Greifeneder: Bei TNT Film hatten wir erstmals Emmy-prämierte HBO-Filme als Deutschlandpremieren. "Too Big to Fail" haben wir bereits gezeigt, "You don‘t know Jack" wird folgen. Dass wir dem deutschen Publikum herausragende, starbesetzte Produktionen erstmals zugänglich machen, ist ein zusätzlicher Mehrwert für den Zuschauer.

    Heyelmann: "Falling Skies" hat gezeigt, dass es sich lohnt, andere Wege zu gehen. Wir haben das Risiko auf uns genommen, alle Rechte an der Serie einzukaufen. Wir wollten sicherstellen, dass die Premiere auf TNT Serie stattfindet und wir die Serie danach erfolgreich weiterverkaufen können, wie jetzt mit ProSieben geschehen. Dass das geklappt hat war ein gutes Gefühl und es wird in Zukunft noch häufiger passieren.

    Im kommenden Jahr soll jetzt noch ein weiterer Kanal kommen. Sie starten mit "glitz" einen Frauensender. Was darf man sich darunter inhaltlich, programmlich vorstellen?

    Heyelmann: Der Sender wird sehr breit aufgestellt sein für die Frauen-Zielgruppe. Details gibt es im Februar. Was ich aber jetzt schon verraten kann: Es wird eine Mischung aus Serien-Highlights inklusive Deutschland-Premieren, Spielfilmen, Eigenproduktionen im Bereich Lifestyle und Dokumentation. Glitz wird mit unser aufwändigster Sender - noch aufwändiger als TNT Serie.
    Greifeneder: Frauen sind eben nicht nur Make Up und High Heels. Wir wollen Herz und Hirn ansprechen. Ich denke bei Glitz lieber an einen Sender für Frauen als an einen Frauensender. Wir machen kein Spartenprogramm. Glitz wird sich bei der Programmierung eher an Vollprogrammen orientieren.
    Heyelmann: Wir werden im nächsten Jahr deutlich mehr investieren und mehrere Millionen Euro für Eigenproduktionen über alle Sender hinweg ausgeben. Außerdem haben wir noch nie so viel Programm eingekauft wie jetzt. Wir sind dann mit fünf starken 24-Stunden-Sendermarken im Pay-TV vertreten, die kontinuierlich nach neuer Programmware verlangen, weil wir die Wiederholungsrate niedrig halten wollen. Da muss man bereit sein, in neue Programme zu investieren.

    Beispielsweise in eine eigenproduzierte Serie, wie sie von deutschen Produzenten seit Jahren vom PayTV herbeigesehnt wird. Wie kam es zu der Idee zu "Add a Friend"?

    Greifeneder: Die Kollegen von Wiedemann & Berg sind fast Nachbarn, da kommt man ohnehin mal ins Gespräch. Eigentlich hatten wir über ein ganz anderes Projekt gesprochen, aber dann kam diese Idee auf, auch weil wir intern immer gesagt haben: Wenn TNT Serie erstmal etabliert ist, dann ist der nächste Schritt ganz klar die Produktion eigener Formate. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Wiedemann & Berg haben sich mit "Das Leben der Anderen" auch international einen Namen gemacht. Das hilft uns in unserem Netzwerk. Und, was gibt es Schöneres, als wenn man gemeinsam an einem Projekt arbeitet und sich auch aufgrund der Nachbarschaft immer wieder austauschen kann.
    Heyelmann: Es ist für uns alle ein tolles Gefühl die Ersten zu sein, die in Deutschland den Pay-TV-Markt für eigenproduzierte Fiktion in diesem Unfang öffnen.

    Und Ihnen ist das Schreiben von Geschichten als Buchautorin ja auch nicht fremd, Frau Greifeneder...
    Greifeneder: (lacht) Aber zwischen einem Roman und einer Serie liegen nochmal Welten. Trotzdem macht es schon Spaß, auch weil ich tatsächlich bei den Büchern mit involviert war. Dieser kreative Prozess mit den Autoren Sebastian Wehlings und Christian Lyra und der Produktionsfirma Wiedemann & Berg ist etwas, was einem auch als Fernsehmacher das Herz aufgehen lässt.

    Welche Voraussetzungen musste denn die Serienidee mitbringen? Nach was haben Sie gesucht?
    Greifeneder: Nach einer sehr guten und innovativen Geschichte, die sich auch realistisch und erfolgreich umsetzen lässt. Bei "Add a Friend" geht es um Social Networks und sechs Personen, die darüber miteinander in Verbindung stehen. Es sind Geschichten über Nähe oder eben auch nicht Nähe, die solche Online-Freundschaften bedeuten – was ist echt und was nicht. Das ist ein Phänomen, das fast jeder aus unserer Generation kennt. Und wir stehen vor der spannenden Aufgabe das fiktional umzusetzen. Die Serie wird sehr 2012 sein.

    Wobei das ja eben besonders schwierig wird. Weil jeder vergleicht, ob es authentisch ist. Aktuelle Stoffe sind für die breite Masse des Publikums vertrauter als "Boardwalk Empire"...


    Heyelmann: Das ist uns bewusst. Die Serie wird sehr authentisch. Sie funktioniert über Drehbücher und gute Charaktere. Das ist für uns eine große Chance, denn wir können natürlich kein Effekt-Feuerwerk a la „Falling Skies“ in Deutschland umsetzen. Deshalb haben wir uns für diese Dramedy entschieden. Die erste deutsche PayTV-Serie muss eine eigene Handschrift tragen und dafür sorgen die guten Bücher und herausragende Schauspieler.

    Wer spielt denn nun mit?

    Greifeneder: Mit dabei sind unter anderem Ken Duken, der ja gerade erst im großen ARD-Zweiteiler "Laconia" mitspielte, Friedrich Mücke, den man beispielsweise an der Seite von Matthias Schweighöfer aus "Friendship" kennt, und Frederike Kempter, die man aus dem Münsteraner "Tatort" kennt. Also alles Köpfe, die diese Generation gut verkörpern, zu den Besten gehören und doch nicht verbraucht sind, weil sie nicht jedes Angebot annehmen und ihre Rollen gut aussuchen. So wie auch Gisela Schneeberger, die ebenfalls mit dabei ist. Regie führt übrigens Tobias Baumann, der hat sehr viel mit Anke Engelke und Christoph Maria Herbst gearbeitet, aber auch "Der Vollidiot" und "Der Wixxer" gemacht – er kennt also sowohl Fernsehen als auch Kino.

    Wann geht es mit der Produktion los?


    Heyelmann: Wir beginnen im Januar mit der Produktion der ersten Staffel. Sie umfasst zehn halbstündige Folgen. Starten wird die Serie dann voraussichtlich Ende April.

    Wie deutsch wird die Serie? Oder produziert man bei so einem globalen Thema gleich auch mit Blick auf den internationalen Markt?

    Greifeneder: Erstmal geht es immer um eine gute Geschichte. Wenn die funktioniert, dann kann ich überlegen, wie ich sie umsetze. Das Thema ist zwar global und könnte sicherlich genauso gut in Spanien oder den USA Relevanz haben, aber wir verankern die Serie klar in Deutschland. Das passiert schon allein über die Darsteller.
    Heyelmann: Wir freuen uns natürlich, wenn "Add a Friend" nach der Ausstrahlung bei TNT Serie auch international laufen würde und wir es in Deutschland ins Free-TV verkaufen. Aber das sind Gedanken, die wir aufgreifen, wenn die fertige Serie vorliegt. Bis dahin geht es uns um eine tolle Serie, die wir unseren Abonnenten zeigen wollen, und um nichts anderes.


    Wie schwer war es denn, die internationale Mutter davon zu überzeugen, die Sender auch mit lokalen Produktionen vor Ort zu verankern?
    Heyelmann: Es war anfangs, vor zwei, drei Jahren, als wir mit kleineren Produktionen anfingen, schon schwierig. Aber ich habe gleich gesagt: Ganz oder gar nicht und konnte das Management von diesem Ansatz überzeugen. Der deutsche Markt ist besonders, dem muss man sich anpassen. Bei einem so starken Free-TV-Angebot dürfen Pay-TV-Sender kein Mittelmaß liefern, sondern müssen echten Mehrwert bieten. Aber man muss natürlich auch nicht auf Teufel komm raus anders sein. Es geht nicht darum, aus Prinzip etwas anders zu machen. Vielmehr geht es darum, zu erkennen und zu verstehen, welche Lücken man im Markt finden kann und wie man sie füllt. So haben wir zum Beispiel bei der Marke TNT erkannt, dass in Deutschland ein getrennter Spielfilm- und Seriensender im Pay-TV erfolgversprechender ist als eine Mischung aus beidem. Und unser Glitz in Deutschland wird anders aussehen als Glitz in Lateinamerika. Der dortige Sender ist deutlich jünger aufgestellt als wir es sein werden und setzt mehr auf Lifestyle und Fashion.
    Greifeneder: Sender brauchen eine klare Handschrift, ein Herz und ein Gesicht. Die Zeit der Back-to-back-Library-Channels ist vorbei. Die Zuschauer erwarten, gerade weil sie dafür zahlen, einfach mehr.

    Heyelmann: Und man muss sich einfach auch mal etwas trauen. Dass wir auf jeden Fall mit Glitz im Mai starten, ist ein sehr offensiver Schritt, denn wir haben mit Kabel Deutschland als Plattformpartner erst einen Verbreitungsvertrag unterschrieben. Wir werden einen super Sender an den Start zu bringen und sind sicher, dass wir damit auch andere Plattformen überzeugen werden. Natürlich wäre es stressfreier, erst dann die Entscheidung zu fällen, einen neuen Sender zu starten, wenn alle Verbreitungsverträge unter Dach und Fach sind. Aber auf diesen Zeitpunkt zu warten, birgt die Gefahr, gar nicht zum Zuge zu kommen und das Feld Wettbewerbern zu überlassen. Wir wissen, dass die Plattformen nicht mehr zehn oder 20 neue Kanäle suchen. Die Portfolios werden in naher Zukunft nicht mehr stark vergrößert, sondern verbessert. Inzwischen trennt man sich ja sogar wieder von namhaften Channels, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen. Die Plattformen erweitern ihre Pakete mit Bedacht und suchen hochwertige Sender. Die liefern wir.

    Mit immer mehr Eigenproduktionen und umfassenden Rechteeinkäufen stellt sich die Frage, ob ein eigener Free-TV-Sender als Schaufenster für das Pay-TV-Angebot denkbar wäre...

    Heyelmann: Also mal abgesehen von CNN International, was ja ein ganz anderes Genre bedient, glaube ich nicht, dass das eine gute Idee für uns wäre. Wir fokussieren uns bei den Kinder- und Entertainment Sendern ganz klar auf das Pay TV Geschäft. Auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen ist schwierig und klappt häufig nicht gut, wie andere Sender und Sendergruppen auch in Deutschland erlebt haben oder gerade erleben.

    Gibt es bei den klassischen Verbreitungswegen noch Verbesserungsbedarf?

    Heyelmann: Wir sind bei Sky beim Thema HD und bei der Verbreitung von Cartoon Network, Boomerang und TNT Film im Kabel noch nicht so weit, wie wir gerne wären. Sky ist Exklusivität gerade bei HD immer noch sehr wichtig Aber ich sage das ganz offen: Man kann sich durch Exklusivität positiv, aber auch negativ differenzieren. Mit negativ meine ich, dass, wenn ein Sender nur deshalb nicht verbreitet wird, weil er auch auf anderen Plattformen schon verfügbar ist, Sky letztlich seinen Wettbewerbern eine gewisse Exklusivität bei diesem Kanal schenkt, ohne dass die dafür extra zahlen und natürlich den eigenen Zuschauern einen tollen Sender vorenthält.

    Wie stehen Sie zu HD+?

    Heyelmann: So wie es derzeit positioniert ist, ärgert es mich. Durch das Plus wird suggeriert, dass es fast ein besseres HD wäre, was ja gar nicht der Fall ist. In der Realität haben die HD+-Sender einen deutlich niedrigeren nativen HD-Anteil als die meisten Pay-TV-Sender. Wir haben zum Beispiel bei TNT Serie im Durchschnitt jetzt schon einen nativen HD-Anteil von ca. 65 Prozent, in der Primetime bereits über 90 Prozent. Und aus der Endkonsumenten-Sicht ist nicht zu verstehen, was der Unterschied zwischen HD+ und Pay-TV sein soll. Wobei ich auch kein Fan des Begriffs Pay-TV bin, weil in Deutschland grundsätzlich für Fernsehen gezahlt werden muss und das meist mehrfach. Aber da müsste man mit anderen Anbietern vielleicht gemeinsam überlegen, ob man lieber einen Begriff wie Premium-TV prägt. Das entspricht auch dem, was die Sender unterscheidet, also nicht die Frage, ob man dafür zahlt, sondern was man dafür bekommt. Aber immerhin: HD+ fördert die Digitalisierung.
    Frau Greifeneder, Herr Heyelmann, herzlichen Dank für das Gespräch.

    Quelle: DWDL
     
    #1
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